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Transhumanismus / Human Enhancement – Ist der Mensch noch Mensch?

Transhumanismus/Human Enhacement stellen die Frage: Was ist der Menschen? Ein spannendes Thema für Religionsunterricht und Ethikunterricht.

Heute schreibt Nicolina für euch.

„Zwar haben Menschen gewissermaßen schon immer versucht, die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen, um gewünschte Eigenschaften hervorzubringen, doch mithilfe der tief in den menschlichen Organismus eingreifenden Enhancement-Interventionen scheint eine neue Dimension erreicht zu sein: Immer präzisere und immer wirkmächtigere Eingriffsmöglichkeiten stehen zur Verfügung, mit denen sich Menschen nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können. […] Die bloße Möglichkeit solcher Enhancement-Eingriffe macht es nötig, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt.“ (Jan-Christoph Heilinger: Enhancement http://www.bpb.de/gesellschaft/.)

Ethische Fragen

Mit den Möglichkeiten des Enhancements ergeben sich Fragekomplexe, die im Unterricht im Fach Ethik/Religion relevant sind. Welchen Einfluss hat der Einsatz von Enhancement auf unser Bild vom Menschen? Was bedeutet Enhacement für ein gesellschaftliches Zusammenleben? Wie viel Raum wollen wir Unangepasstheiten lassen, wenn es möglich wird, jederzeit abrufbare Höchstleistungen zu erbringen? Darf jede/r entscheiden, ob er Enhancement-Interventionen für sich nutzt oder braucht es eine staatliche Institution, die den Konsum regelt? Ist der Einzelne in einer auf Leistung ausgerichteten Gesellschaft in seiner Entscheidung noch autonom? Wird durch den Einsatz die Kluft zwischen Arm und Reich größer oder werden soziale Unterschiede ausgeglichen?

Welchen Einfluss hat der Einsatz von Enhancement auf unser Bild vom Menschen?

Enhacement /Transhumanismus

Der Begriff Enhancement ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil ethisch-philoso-phischer Debatten geworden. Im Bereich der Bioetik löst er jedoch kontroverse Diskussionen aus. Der Transhumanismus ist eine philosophische Denkrichtung, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten (intellektuell, physisch oder psychisch) durch den Einsatz technologischer Verfahren erweitern will. Transhumanismus gilt als Über-Kategorie von Enhacement. Wird ein Organismus als „künstlich“ bezeichnet, wenn für dessen Aufrechterhaltung maßgeblich technische Implantate verantwortlich sind, dann gelten heute etliche Menschen als Cyborgs. Die Spanne reicht dabei von „Brillen und Zahnimplantaten über das künstliche Hüftgelenk, Herzschrittmacher, Insulinpumpen und tragbare Dialysegeräte […] bis zu Cochleaimplantaten und der tiefen Hirnstimulation.“ (Michael Simm: Human Enhancement. Homo Sapiens 2.0 (Dt. Ärzteblatt, Jg. 108, Heft 46) https://2www.aerzteblatt.de/dae-plus/literaturverzeichnisse?heftid=3302.

Umsetzung im Ethik- oder Reliunterricht

Die Vor- sowie Nachteile der technischen Möglichkeiten und die notwendigen Grenzen der Technik im Bezug auf die menschliche Leistungssteigerung stehen im Zentrum der vorliegenden Stunde. Die SuS positionieren sich mit ihre eigene Einstellung zum Transhumanen. Anschließend setzen sie sich zudem mit Fragen nach einem „guten“ und gesunden Leben auseinander. Die Frage nach dem menschlichen Grundbedürfnis nach Verbesserung – besonders auch mittels Technik schließt sich an.

Der Einstieg bildet der Trailer von Transendence, um die SuS auf die Möglichkeit des „Uploadens“ des eigenen Gehirns und somit in gewisser Weise eine „Unsterblichkeit“ bzw. das „Übermenschliche“ einzustimmen.

Dokumentation zu den Vor- und Nachteile

Die beiden 3sat-Dokumentationen, die jeweils ca. 6-7 Minuten lang sind veranschaulichen deutlich die Möglichkeiten der Technik – die positive Seite eines gelähmten Mannes, der dank Hirnimplantate wieder seinen („enhanceten“, verbesserten/nachgebesserten) Arm bewegen kann.

https://www.3sat.de/wissen/nano/utopien-2-0-upload-your-brain-1-100.html

https://www.3sat.de/wissen/nano/utopien-2-0-upload-your-brain-2-100.html

Sie lässt dennoch kritische Aspekte – vor allem der (nahen?) Zukunft – nicht außer Acht: Ist denn der Mensch noch Mensch, wenn er sein Gehirn auf eine Festplatte hochladen kann und dadurch in gewisser Weise über seinen Tod hinaus weiter lebt? Sind wir frei, uns gegen eine Verschmelzung mit der Technik zu entscheiden? Sind Cyborgs Menschen? Hat ein Mensch, dessen Fähigkeiten weit über die eines anderen Menschen hinaus gehen, eine besondere Verantwortung seinen Mitmenschen gegenüber? Es lässt sich hier in der Diskussion sowohl die bildunsgplankonformen Überthemen Menschenbilder sowie Freiheit als auch Wissenschafts- und Technikethik behandeln – sie überschneiden sich bei diesem aktuellen Thema maßgeblich. Meine persönliche Erfahrung mit den beiden Dokumentationen sowie dem Arbeitsblatt und der anschließenden Diskussionsrunde waren positiv – die SuS sind häufig sehr an zukunftsrelevanten Themen interessiert.

Möglich im Distanzlernen oder im Präsenzunterricht

Eine PDF mit Lernaufgaben gibt es hier:

Die Stunde bietet sich sowohl im Fernlernen (siehe QR-Codes) als auch im Präsenzunterricht an (siehe unterschiedlichen Arbeitsblätter). Sie kann als Einzel- sowie Doppelstunde durchgeführt werden. Hier bietet sich eine differenzierte Unterscheidung zwischen Transhumanismus und Human Enhancement an sowie eine Diskussion, die einerseits das (veränderte?) Menschenbild in den Fokus nimmt als auch die Frage, ob der Technik Grenzen gesetzt werden sollten. Anschließend oder im Vorfeld behandeln lassen sich natürlich die Themen der Künstlichen Intelligenz sowie Tracking-Apps/Wearables, als auch weitere insbesondere medizin-ethische Themen.

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